FBSD Pressemitteilungen
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FBSD Pressemitteilungen (33)

FBSD und Schwäbisches Literaturschloss Edelstetten setzen mit Kooperationsvereinbarung ein Zeichen für Mundartförderung über Sprachgrenzen hinweg

Der rund 3300 Mitglieder umfassende und in Oberbayern ansässige Förderverein Bairische Sprache und Dialekte e.V. (FBSD) und der Verein Schwäbisches Literaturschloss Edelstetten e.V. wollen künftig gemeinsam gegen den Verlust der Regionalsprachen vorgehen. Schwäbisch-Alemannisch und Bairisch sind, wie das Fränkische, Regionalsprachen, die in Bayern gesprochen werden, aber in ihrem Bestand arg gefährdet sind. Deshalb wurden sie von der UNECSO 2009 als vom Aussterben bedroht eingestuft. "Die Bewusstseinsbildung, dass Regionalsprachen und Mundarten außerordentlich hochwertige und deshalb dringend zu erhaltende Kulturgüter sind, wollen wir künftig gemeinsam stärker betonen", so Prof. Dr. Klaus Wolf, Vorsitzender des Vereins Schwäbisches Literaturschloss Edelstetten e.V. und Horst Münzinger, Vorsitzender des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte e.V.

Dialekt macht schlau
Ab den 1960er Jahre wurden nicht nur in Bayern Regionalsprachen und Mundarten als bildungshemmend abgewertet und aus Schulen und Medien zu Gunsten eines norddeutsch geprägten Standarddeutsch verbannt. Generationen von Politikern, Eltern und Lehrkräften hielten Jahrzehntelang an dieser ideologisierten und schon längst als falsch widerlegten Defizithypothese fest - und Kinder von den Regionalsprachen und Mundarten fern. Mangelnde Überlieferungen im Elternhaus und in den Schulen haben aber zur Folge, dass besonders bei der jüngeren Generation erhebliche Wissenslücken bei den Themen Literatur, Musik und Brauchtum mit gravierenden Sprachdefiziten einhergehen.


"Sprache und Mundarten müssen in ihrer Ganzheitlichkeit wieder zu einem Erlebnis werden", betont deshalb Wolf, der an der Universität Augsburg lehrt.

"Zudem haben mehrere Untersuchungen der modernen Gehirnforschung und aufgeklärte Praktiker in den Schulen nachgewiesen, dass das Nebeneinander von Hochsprache und Mundart bei Kindern Konzentration und Kombinationsfähigkeit fördern und dadurch bessere schulische Leistungen erzielt werden als bei Einzelsprachlern", begründet der FBSD-Vorsitzende die Notwendigkeit, wirkungsvolle Konzepte zur Mundartförderung in Kindergärten und Schulen einzuführen.

Die Übergabe der Partnerschaftsurkunden im Literarischen Salon im schwäbischen Schloss Edelstetten im Beisein von Schlossherrin Fürstin Ursula von Esterhazy, setzt nach Meinung der Vorsitzenden auch ein wichtiges Signal für eine regional übergreifenden Mundartförderung, der sich "hoffentlich auch bald fränkische Sprachförderer anschließen werden."

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Gemeinsam stärker für den Erhalt der Regionalsprachen in Bayern:
(v.l.) Siegfried Bradl (stv. Vorsitzender FBSD), Prof. Dr. Klaus Wolf (Vorsitzender Li-teraturschloss Edelstetten) und Horst Münzinger (Vorsitzender FBSD) freuen sich über die Kooperationsvereinbarung ihrer Vereine und hoffen, dass sich die Franken bald anschließen werden.

Pressemitteilung, München 18. April 2017

Sportass Laura Dahlmeier wird Ehrenmitglied im
Förderverein Bairische Sprache und Dialekte e.V.

Neben "zwei Päpsten" nun eine Weltmeisterin mit weiß-blauer Zunge in der Reihe prominenter FBSD-Ehrenmitglieder

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Der weit über Bayern hinaus bekannten mehrfachen Weltmeisterin im Biathlon Laura Dahlmeier ist die Ehrenmitgliedschaft im Förderverein Bairische Sprache und Dialekte e.V. zuerkannt worden. "Damit hat der Förderverein mit seinen insgesamt 3.300 Mitgliedern neben dem emeritierten Papst Benedikt XVI. und dem als "Dialektpapst" bekannten Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Ludwig Zehetner mit Laura Dahlmeier eine Weltmeisterin und überaus erfolgreiche Repräsentantin der bairischen Sprache als Ehrenmitglied in seinen Reihen", freuen sich die FBSD-Vorsitzenden Horst Münzinger und Siegfried Bradl. Die sympathische Sportlerin aus dem Werdenfelser Land, die bereits Mitglied im FBSD war, nahm die Ernennungsurkunde vom 2. Vorstand des FBSD, Sigi Bradl entgegen. Dazu gab es ein maßgeschneidertes Gratulationslied des Haberer Zwoagsangs sowie lobende Verserln von Annelies Grasegger, die lange Jahre den FBSD in Garmisch-Partenkirchen geleitet hat. Laura Dahlmeier wurde bei ihrem Empfang durch den Skiclub Partenkirchen total überrascht und freute sich ungemein über ihre FBSD-Ehrenmitgliedschaft.

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Die beiden Bairisch-Förderer sind beeindruckt und erfreut über den bärigen sportlichen Erfolg und freilich auch darüber, dass Laura Dahlmeier bairisch redet. "Dass Du, liebe Laura, in der Öffentlichkeit und speziell bei Interviews nicht auf eine standarddeutsche Variante ausweichst, sondern ganz selbstverständlich Redewendungen und Ausdrucksweisen Deiner Heimatsprache verwendest, ist einfach vorbildlich", lobten die Vereinschefs. Mundart reden ist beispielgebend vor allem für alle jungen Menschen im Werdenfelser Land und weit darüber hinaus, die Bairisch können, aber oft aus überzogener Rücksichtnahme oder aus Sorge vor schulischen oder beruflichen Nachteilen ihre Muttersprache untergraben.

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Die herausragenden Sportergebnisse und auch die beruflichen Perspektiven von Laura Dahlmeier zeigten, dass die Auffassung, Mundart behindere persönlichen Erfolg, "ein ziemlicher Schmarrn" und schon längst überholt sei, so die FBSD-Vorsitzenden. Auch mit Blick auf die prominenten FBSD-Ehrenmitglieder, dem emeritierten Papst Benedikt XVI. und Prof. Dr. Ludwig Zehetner könne von einem sprachlichen Defizit bei Mundartrednern nicht die Rede sein. "Ein Defizit hat, wem Mundart oder Regionalsprache vorenthalten wurde und sich nur mit Einheitsdeutsch verständigen kann. Ja, der ist arm dran!"

Münzinger und Bradl hoffen, dass die auch wissenschaftlich nachgewiesenen Vorteile der Mehrsprachigkeit, Mundart neben Hochsprache, endlich auch in den höchsten Reihen der bayerischen Landes- und Kulturpolitik wahrgenommen werden und daraus Konsequenzen folgen für die Bildungspolitik sowie für die Aus-, Fort- und Weiterbildung der Erzieherinnen und Erzieher sowie der Lehrkräfte.

Alle Gratulanten

"Nur über die junge Generation, deren Sprachumfeld vor allem in Kindergärten und Schulen gestaltet wird, kann heimische Sprache und Mundart überliefert und erhalten werden." Die bayerische Politik muss auf allen Ebenen endlich wirksame Maßnahmen zur Förderung der Regionalsprachen und der Mundarten umsetzen. Ansonsten droht in absehbarere Zeit der endgültige Verlust der Orts- und Regionalsprachen sowie die Verflachung des reichhaltigen kulturellen Bestands in Bayern.

 



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Laura Dahlmeier bekommt von Siegfried Bradl, 2. FBSD-Vorsitzender, die Ehren-mitgliedschaft in Form einer schönen Urkunde überreicht (v.l.).
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Laura Dahlmeier bekommt von Siegfried Bradl, 2. FBSD-Vorsitzender, die Ehren-mitgliedschaft in Form einer schönen Urkunde überreicht (v.l.).
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Große Freude beim neugekürten FBSD-Ehrenmitglied Laura Dahlmeier (Mitte) und der Vereinsdelegation Gisela Bradl, Annelies Grasegger und Siegfried Bradl (v.l.).

Freitag, 10 Februar 2017 11:35

Ansturm auf die Bairische Sprachtafel

Demnächst auch für Franken und Schwaben

Wer hätte das gedacht. Bereits wenige Stunden nach Veröffentlichung der Sprachtafel „I LEARN BOARISCH“ gingen im Büro des Integrationsbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung weit über tausend Bestellungen ein. „Ein Ansturm, mit dem wir nicht gerechnet haben“, zeigt sich der Initiator Siegfried Bradl, 2. Vorstand des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte e.V. (FBSD) erstaunt und erfreut zugleich.

Nach dem Erfolg der Sprachtafel „Ich lerne Deutsch“ schufen der bayerische Integrationsbeauftragte und der FBSD eine bairische Variante, der eine fränkische und schwäbisch-alemannische folgen wird. Die Übersicht ist nach Sparten wie Verkehr, Freizeit oder Notfall gegliedert und enthält einfache Symbole und Zeichnungen sowie daneben das bairische Wort oder eine Bedeutungserklärung.

Mit der neuen Sprachtafel erweitert sich die Zielgruppe über Menschen mit Migrationshintergrund hinaus auf alle Menschen, die Freude an der Mundart haben. Die Sprachtafel kann damit in verschiedensten Institutionen und Gruppierungen vom Kindergarten über Schulen bis hin zum Pflegeheim eingesetzt werden.

Die Bairische Sprachtafel im Format A2 kann über die Geschäftsstelle des Integrationsbeauftragten per e-mail bestellt werden und wird kostenlos zugesandt. Infos auch unter www.fbsd.de.

Beim neu konzipierten FBSD-Dialektforum kommen erstmals Wissenschaftler und Dialektförderer zum Meinungsaustausch zusammen

Erstmals hat der Förderverein Bairische Sprache und Dialekte e.V. (FBSD) zu einem mehrtägigen Dialektforum eingeladen und mit der Zusammenführung von Sprachwissenschaftlern und Dialektpflegern aus Bayern gleichzeitig eine neuartige Veranstaltungsform erprobt. Somit umfasste das auf zwei Tage verteilte Tagungsprogramm Referate von Sprachwissenschaftlern und Experten der Universitäten Augsburg, Berlin, Passau und Regensburg sowie Vorträge von Verantwortlichen aus zehn Vereinen und Institutionen, die sich in unterschiedlicher Weise in Bayern mit der Förderung der Regionalsprachen und der Dialekte befassen. Während der Tagung wurde offenbar, dass es zwar vielfältige Aktivitäten und Erfahrungen, Praxisbeispiele und Ansätze zur Dialektförderung gibt, aber eine gemeinsame Plattform für einen regelmäßigen Informationsaustausch untereinander fehlt. Das Dialektforum habe gezeigt, so die FBSD-Vorsitzenden Horst Münzinger und Sigi Bradl, dass es erforderlich ist, die vielen einzelnen Ideen und Maßnahmen von ihrem Inseldasein zu befreien und einen regen Austausch untereinander anzustreben. Zudem müsse eine richtungsweisende, gemeinsame Stoßrichtung für Aktivitäten entwickeln werden.

Unterschiedliche Einschätzungen zur Situation des Dialekts

Erwartungsgemäß bestanden Unterschiede in der Einschätzung der Dialektverbreitung besonders innerhalb der für die Überlieferung wichtigen jungen Generationen. Die Bandbreite der Meinungen reichte vom drohenden Totalverlust der Dialektkompetenz zunächst im städtischen Raum bis hin zur Wiederentdeckung. Festgestellt wurde auch, daß qualifizierte Umfragen und Studien hierzu fehlen.

Als positive Beispiele wurden die vielen Musikgruppen und Bühnenkünstler genannt, die ihre Texte in Mundart präsentieren. Auch die Verwendung dialektaler Schreibweisen beim Versand elektronischer Nachrichten unter Jugendlichen spreche für eine gewisse Vertrautheit junger Menschen mit dem Dialekt. Zudem sei zumindest punktuell ein wachsendes Interesse junger Menschen für Tradition, Brauchtum und Sprache zu beobachten. Bisher nähern sich Erziehungs- und Lehrkräfte in Kindergärten und Schulen immer noch nur vereinzelt - mit meist selbst gestalteten Mundartprojekten - dem Thema Dialekt. Weitgehend einig waren sich die Teilnehmer darüber, dass in wachsenden Städten und Gemeinden der Dialektverlust stärker drohe als in ländlichen Regionen. Aber auch außerhalb der Ballungsräume schreite der Verlust der Regiolekte voran.

Eltern, Erziehungs- und Lehrkräfte für den Dialekt gewinnen

Einig waren sich die Teilnehmer darüber, dass für die Weitergabe des Dialekts an den Nachwuchs vor allem die Eltern und Großeltern gewonnen werden müssten. Nach Auffassung der Teilnehmer glauben noch zu viele Väter und Mütter an die längst widerlegte These, wonach Dialekt ein Bildungshemmnis sei. Daraus folge der Verzicht auf Mundartsprache in der Familie. Hier sei der Hebel anzusetzen und die Eltern noch intensiver über die wissenschaftlich erwiesenen und von Lehrern bestätigten Vorteile des Dialekts für Kinder aufzuklären. Gewonnen werden müssten aber auch die Erzieherinnen in den Kindergärten und die Lehrkräfte in den Schulen. Die vorhandenen Materialien, wie etwa die Lehrer-Handreichung „Dialekte in Bayern“ des Instituts für Schulqualität und Bildungsforschung, das Lesebuch „Freude an der Mundart“ des Bayernbundes und die Materialien aus dem Wertebündnis-Projekt“ MundART- WERT-voll“ müssten stärker zum Einsatz kommen.

Die positive Grundhaltung der Lehrkräfte könnte zudem durch unterrichtsübliche Arbeitsunterlagen, die mit den Dialektthemen im neuen LehrplanPLUS abzustimmen seien, gefördert werden. Die aktive Schulung dieser „Multiplikatoren“ ist mit Nachdruck voranzutreiben.

Normierung der Schreibweise des Bairischen erforderlich

Weil die bairische Sprache bislang keine einheitliche Schreibweise aufweisen kann, sei die Schaffung eines normierten und anerkannten Schreibsystems erforderlich. Damit könnte, so die FBSD-Vorsitzenden, auch der Wege geebnet werden, um die Prozedur für die Aufnahme in die „Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen“ in Gang zu bringen. Die Landespolitik bekäme dann eine konkrete Handlungsbasis, um weitreichende und überprüfbare Maßnahmen zur Verbreitung der Regionalsprache in den Kindergärten, Schulen und in der Öffentlichkeit zu initiieren. Dazu sei es erforderlich, die in den Referaten und Diskussion während des FBSD-Forums zu Tage getretenen unterschiedlichen Ansätze in einer Expertenrunde zu besprechen und gemeinsam ein umsetzungsreifes, einfach anwendbares Schreibsystem zu schaffen.

Politiker loben FBSD-Forum und Dialektpflege

Lobende Worte für das FBSD-Dialektforum fand auch Josef Mederer, der Präsident des Bayerischen Bezirketags, Er sagte seine Unterstützung für die Dialektförderung zu und lud die FBSD-Vorsitzenden ein, im Kulturausschuß des Bayerischen Bezirketags Arbeit und Ziele des Vereins vorzustellen. Dass das Thema Dialekt auch in den Ministerien angekommen ist, zeigten die Videobotschaften von Heimatminister Markus Söder und Bernd Sibler, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst. Beide bekannten sich zur Mundart und zur Mundartförderung in Bayern und sagten ebenfalls ihre Unterstützung zu.

Der erstmalige Schulterschluß von Sprachwissenschaftlern und Dialektförderern zum gemeinsamen Meinungsaustausch ist auf alle Fälle gelungen. Somit ist das vom FBSD erstmals initiierte Dialektforum als großer Erfolg zu werten.