FBSD Pressemitteilungen
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FBSD Pressemitteilungen (31)

Freitag, 10 Februar 2017 11:35

Ansturm auf die Bairische Sprachtafel

Demnächst auch für Franken und Schwaben

Wer hätte das gedacht. Bereits wenige Stunden nach Veröffentlichung der Sprachtafel „I LEARN BOARISCH“ gingen im Büro des Integrationsbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung weit über tausend Bestellungen ein. „Ein Ansturm, mit dem wir nicht gerechnet haben“, zeigt sich der Initiator Siegfried Bradl, 2. Vorstand des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte e.V. (FBSD) erstaunt und erfreut zugleich.

Nach dem Erfolg der Sprachtafel „Ich lerne Deutsch“ schufen der bayerische Integrationsbeauftragte und der FBSD eine bairische Variante, der eine fränkische und schwäbisch-alemannische folgen wird. Die Übersicht ist nach Sparten wie Verkehr, Freizeit oder Notfall gegliedert und enthält einfache Symbole und Zeichnungen sowie daneben das bairische Wort oder eine Bedeutungserklärung.

Mit der neuen Sprachtafel erweitert sich die Zielgruppe über Menschen mit Migrationshintergrund hinaus auf alle Menschen, die Freude an der Mundart haben. Die Sprachtafel kann damit in verschiedensten Institutionen und Gruppierungen vom Kindergarten über Schulen bis hin zum Pflegeheim eingesetzt werden.

Die Bairische Sprachtafel im Format A2 kann über die Geschäftsstelle des Integrationsbeauftragten per e-mail bestellt werden und wird kostenlos zugesandt. Infos auch unter www.fbsd.de.

Beim neu konzipierten FBSD-Dialektforum kommen erstmals Wissenschaftler und Dialektförderer zum Meinungsaustausch zusammen

Erstmals hat der Förderverein Bairische Sprache und Dialekte e.V. (FBSD) zu einem mehrtägigen Dialektforum eingeladen und mit der Zusammenführung von Sprachwissenschaftlern und Dialektpflegern aus Bayern gleichzeitig eine neuartige Veranstaltungsform erprobt. Somit umfasste das auf zwei Tage verteilte Tagungsprogramm Referate von Sprachwissenschaftlern und Experten der Universitäten Augsburg, Berlin, Passau und Regensburg sowie Vorträge von Verantwortlichen aus zehn Vereinen und Institutionen, die sich in unterschiedlicher Weise in Bayern mit der Förderung der Regionalsprachen und der Dialekte befassen. Während der Tagung wurde offenbar, dass es zwar vielfältige Aktivitäten und Erfahrungen, Praxisbeispiele und Ansätze zur Dialektförderung gibt, aber eine gemeinsame Plattform für einen regelmäßigen Informationsaustausch untereinander fehlt. Das Dialektforum habe gezeigt, so die FBSD-Vorsitzenden Horst Münzinger und Sigi Bradl, dass es erforderlich ist, die vielen einzelnen Ideen und Maßnahmen von ihrem Inseldasein zu befreien und einen regen Austausch untereinander anzustreben. Zudem müsse eine richtungsweisende, gemeinsame Stoßrichtung für Aktivitäten entwickeln werden.

Unterschiedliche Einschätzungen zur Situation des Dialekts

Erwartungsgemäß bestanden Unterschiede in der Einschätzung der Dialektverbreitung besonders innerhalb der für die Überlieferung wichtigen jungen Generationen. Die Bandbreite der Meinungen reichte vom drohenden Totalverlust der Dialektkompetenz zunächst im städtischen Raum bis hin zur Wiederentdeckung. Festgestellt wurde auch, daß qualifizierte Umfragen und Studien hierzu fehlen.

Als positive Beispiele wurden die vielen Musikgruppen und Bühnenkünstler genannt, die ihre Texte in Mundart präsentieren. Auch die Verwendung dialektaler Schreibweisen beim Versand elektronischer Nachrichten unter Jugendlichen spreche für eine gewisse Vertrautheit junger Menschen mit dem Dialekt. Zudem sei zumindest punktuell ein wachsendes Interesse junger Menschen für Tradition, Brauchtum und Sprache zu beobachten. Bisher nähern sich Erziehungs- und Lehrkräfte in Kindergärten und Schulen immer noch nur vereinzelt - mit meist selbst gestalteten Mundartprojekten - dem Thema Dialekt. Weitgehend einig waren sich die Teilnehmer darüber, dass in wachsenden Städten und Gemeinden der Dialektverlust stärker drohe als in ländlichen Regionen. Aber auch außerhalb der Ballungsräume schreite der Verlust der Regiolekte voran.

Eltern, Erziehungs- und Lehrkräfte für den Dialekt gewinnen

Einig waren sich die Teilnehmer darüber, dass für die Weitergabe des Dialekts an den Nachwuchs vor allem die Eltern und Großeltern gewonnen werden müssten. Nach Auffassung der Teilnehmer glauben noch zu viele Väter und Mütter an die längst widerlegte These, wonach Dialekt ein Bildungshemmnis sei. Daraus folge der Verzicht auf Mundartsprache in der Familie. Hier sei der Hebel anzusetzen und die Eltern noch intensiver über die wissenschaftlich erwiesenen und von Lehrern bestätigten Vorteile des Dialekts für Kinder aufzuklären. Gewonnen werden müssten aber auch die Erzieherinnen in den Kindergärten und die Lehrkräfte in den Schulen. Die vorhandenen Materialien, wie etwa die Lehrer-Handreichung „Dialekte in Bayern“ des Instituts für Schulqualität und Bildungsforschung, das Lesebuch „Freude an der Mundart“ des Bayernbundes und die Materialien aus dem Wertebündnis-Projekt“ MundART- WERT-voll“ müssten stärker zum Einsatz kommen.

Die positive Grundhaltung der Lehrkräfte könnte zudem durch unterrichtsübliche Arbeitsunterlagen, die mit den Dialektthemen im neuen LehrplanPLUS abzustimmen seien, gefördert werden. Die aktive Schulung dieser „Multiplikatoren“ ist mit Nachdruck voranzutreiben.

Normierung der Schreibweise des Bairischen erforderlich

Weil die bairische Sprache bislang keine einheitliche Schreibweise aufweisen kann, sei die Schaffung eines normierten und anerkannten Schreibsystems erforderlich. Damit könnte, so die FBSD-Vorsitzenden, auch der Wege geebnet werden, um die Prozedur für die Aufnahme in die „Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen“ in Gang zu bringen. Die Landespolitik bekäme dann eine konkrete Handlungsbasis, um weitreichende und überprüfbare Maßnahmen zur Verbreitung der Regionalsprache in den Kindergärten, Schulen und in der Öffentlichkeit zu initiieren. Dazu sei es erforderlich, die in den Referaten und Diskussion während des FBSD-Forums zu Tage getretenen unterschiedlichen Ansätze in einer Expertenrunde zu besprechen und gemeinsam ein umsetzungsreifes, einfach anwendbares Schreibsystem zu schaffen.

Politiker loben FBSD-Forum und Dialektpflege

Lobende Worte für das FBSD-Dialektforum fand auch Josef Mederer, der Präsident des Bayerischen Bezirketags, Er sagte seine Unterstützung für die Dialektförderung zu und lud die FBSD-Vorsitzenden ein, im Kulturausschuß des Bayerischen Bezirketags Arbeit und Ziele des Vereins vorzustellen. Dass das Thema Dialekt auch in den Ministerien angekommen ist, zeigten die Videobotschaften von Heimatminister Markus Söder und Bernd Sibler, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst. Beide bekannten sich zur Mundart und zur Mundartförderung in Bayern und sagten ebenfalls ihre Unterstützung zu.

Der erstmalige Schulterschluß von Sprachwissenschaftlern und Dialektförderern zum gemeinsamen Meinungsaustausch ist auf alle Fälle gelungen. Somit ist das vom FBSD erstmals initiierte Dialektforum als großer Erfolg zu werten.

Dialektforum mit Experten und Praktikern soll Sprachförderung beleben

Der Förderverein Bairische Sprache und Dialekte e.V. ist Ausrichter eines bislang einzigartigen Dialektforums, das vom 7. bis 9. Oktober im Trachtenkulturzentrum des Bayerischen Trachtenverbands in Holzhausen bei Landshut stattfinden wird. Vorrangiges Ziel dieser besonderen FBSD-Veranstaltung ist es, erstmals ein Forum zu schaffen, bei dem viele namhafte Experten und Praktiker unterschiedlicher Bereiche zusammen kommen, um über Inhalte und Wirkungseinschätzung bestehender und denkbarer Maßnahmen zur Dialektpflege zu sprechen. Die Ergebnisse sollen zu einem Tagungsband zusammengefasst werden und als Grundlage für ein ganzheitliches Konzept zur dauerhaft wirksamen Mundartpflege dienen. Zugleich soll eine erste Basis für die Aufnahme der Regionalsprachen in Bayern (Bairisch, Schwäbisch-Alemannisch und Fränkisch) in die „Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen“ geschaffen werden.

Das FBSD-Programm sieht deshalb Referate von Experten unterschiedlicher Fakultäten zur Standortbestimmung der Mundartkompetenz in der Bevölkerung und in der Schule sowie zur Dialektpflege vor. Auch das von der Bayerischen Staatsregierung initiierte Wertebündnis Bayern mit dem Projekt „MundART - WERTvoll“ ist mit dabei. So werden Sprachwissenschaftler ihre Vorschläge für die Dialektförderung vorstellen und Vertreter aus der Politik bestehende Regelwerke und Maßnahmen erläutern.

Des Weiteren werden Vertreter unterschiedlicher Vereine und Institutionen, wie etwa das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB), das Unterfränkische Dialekt-Institut (UDI), die Johann-Andreas-Schmeller-Gesellschaft und der Heimatkundliche Arbeitskreis Oberviechtach e.V. - „Oberviechtacher Dialektprojekt“ ihre Arbeit vorstellen und über ihre Erfahrungen im praktischen Umgang mit der Dialektpflege berichten.

Die umfangreiche Referentenliste mit Gästen aus Berlin, ganz Bayern und Österreich enthält so bekannte Namen wie die der Sprachwissenschaftler Professor Dr. Ludwig Zehetner, Professor Dr. Werner König und Prof. Dr. Almut König. Aber auch die Politik ist mit dem Präsidenten des Bayerischen Bezirketags, Josef Mederer, sowie Videobotschaften von Heimatminister Markus Söder und Bernd Sibler, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, vertreten.

Am Samstagabend findet für alle Interessierte eine öffentliche Veranstaltung statt.

Im Blick auf das Jubiläumsjahr „500 Jahre Bayerisches Reinheitsgebot“ wird Mundartautor Dr. Hans Göttler unter dem Titel „Gemma zum Bräu! - Bier- und Wirtshaus-Gschichtn aus Altbayern“ einen unterhaltsamen und kurzweiligen Abend gestalten. Musikalisch umrahmt wird das Ganze vom weithin bekannten „Haberer-Zwoagsang“, der lustige Wirtshaus- und Bierlieder sowie Couplets beitragen wird. Der Abend beginnt am 8. Oktober um 20 Uhr. Nähere Informationen zur Tagung sowie zur Reservierung gibt es bei Tagungsorganisator Sigi Bradl, 2. FBSD-Vorstand, unter: Tel. 08254 - 8665 oder 2.

Kurzfristig Entschlossene können sich ebenfalls noch bis Donnerstag, den 6. Oktober, unter der genannten Kontaktadresse anmelden.

 

Die Meinung der Eltern, die zum Informationsabend „Dialekt im Kindergarten“ kamen, war eindeutig: Unsere Kinder sollen mehr Bairisch können. Eingeladen zu dem Treffen in den Kindergarten St. Franz Xaver hatte die Leiterin des Kindergartens, Jeannette Feuerecker, und die Erzieherin Erika Marschall. Der Truderinger Horst Münzinger, Vorsitzender des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte e.V. (FBSD) und Schirmherr dieses bislang einmaligen Vorhabens, begründete den Eltern die Initiative mit den wissenschaftlichen Nachweisen der Vorteile für Konzentration und Erinnerungsvermögen, wenn neben Hochsprache auch Dialekt gesprochen wird. Das Vorurteil, Dialekt sei ein Bildungshindernis, sei längst widerlegt. Deshalb betont auch der neue LehrplanPLUS für alle Schularten in Bayern den Dialekt stärker als bisher. Auch der Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) befürworte mehr Dialektförderung an Schulen, weil damit Sprachvermögen, Ausdrucksweise und Sozialverhalten positiv beeinflusst würden. Und nicht zuletzt könne schon früh der Wert nebeneinander gelebter Sprachen als wichtiger kultureller Bestandteil vermittelt werden.

Den Kurs leitet Erika Marschall, deren Ideen zur kindgerechten Dialektkunde von den Eltern begeistert aufgenommen wurden. Die Teilnahme am wöchentlich stattfindenden Kurs mit bis zu 12 Kindern ist freiwillig. Angemeldet wurden am Informationsabend spontan 15 Kinder. Start ist am 20.Oktober.