Mittwoch, 24 November 2021 10:11

Dialektpreis für Lenz Berger: "Ea redt, wia eam da Schnowe gwoxn is"

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Lenz Berger erhält für sein Engagement den Dialektpreis des "Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte"

Höglwörth. Der diesjährige Preisträger des Dialektpreises des "Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte e.V." im Landesverband Rupertiwinkel, Lenz Berger, ist dafür bekannt, dass "ea redt wia eam da Schnowe gwoxn is".

Er tut das bei all den vielen Veranstaltungen, bei denen er als Moderator engagiert wird und im Mundart-Radioprogramm beim Radiosender Bayernwelle. Nun hat der Lenz dafür und für seine stete Hochhaltung des Rupertiwinkler Dialekts den wohlverdienten, von der Eva-Mayr-Stihl-Stiftung unterstützten Preis bekommen. Damit zählt er zu einer Reihe von knorrigen Bayern, wie dem früheren Pettinger Bürgermeister Markus Putzhammer und dem Bauern Franz Huber vom Bauernhofmuseum in Hof bei Kirchanschöring und den bergsteigenden "Huawa-Buam", Kabarettist Dr. Georg Ringsgwandl und dem letztjährigen Gewinner, Skispringer Markus Eisenbichler. Aber auch sein Laudator Hans Auer ist schon in den Genuss des Preises gekommen.

Der Preisträger Lenz Berger (rechts) mit dem 1. Vorsitzenden des Fördervereins im Rupertiwinkel, Heinz Schober (links),
und seinem Laudator Hans Auer. −Foto: Alois Albrecht

 

Verleihung heuer beim Klosterwirt

Heuer hat der Verein als Platz für die Verleihung, die während der jährlichen Jahreshauptversammlung stattfindet, den Klosterwirt im idyllischen Höglwörth, gleich neben dem früheren Augustinerstift, mit seiner "Augustinerchorherrenstiftskirche" St. Peter und Paul gewählt. Der Ort könnte auch nicht besser für Lenz gewählt worden sein. Er wohnt nämlich nur den sprichwörtlichen "Katzensprung" davon entfernt.

Damit die Verleihung auch den richtigen musikalischen Rahmen bekommt, war Hans Auer mit seiner Familienmusi, ergänzt von Wasti Irlinger, ebenfalls ein früherer Preisträger, zur Stelle. Die Musi, die schon während der Versammlung zu hören war, blieb auch noch lange danach, um mit ihren zünftigen Klängen und Gsang zur Gemütlichkeit und der guten Laune beizutragen. Auch Lenz Berger selbst, zusammen mit seiner Gesangspartnerin Anni Enzensberger, gab einige Lieder zum Besten. Wie von ihm nicht anders zu erwarten war, trug er zudem mit mehreren lustigen "Gschichtn" zum Geschehen bei. Als weiterer Mitwirkender bei der Feier bot Mundartdichter Helmut Rothbucher einige seiner bayerischen Gedichte dar. Zuvor, während der Versammlung (Bericht folgt), hatte aber der 1. Vorsitzende Heinz Schober ganz offiziell die Auszeichnung an Berger übergeben. Schober meinte dabei, der Lenz verdiene den Preis, denn er sei jemand, der die bayerische Sprache und Kultur zu seiner Lebensbasis gemacht habe. Lenz Berger sage immer, was er denkt und mache kein Hehl daraus. Er zeige immer seine Talente beim Vortragen und Moderieren und bringe seine Zuhörer zum Lachen. "Jeda heat da gean zua", sagte Schober zu Berger.

Als Laudator hatte der Verein einen Freund Bergers und einen Vorgänger bei der Auszeichnung, Hans Auer, gewählt. In seiner Laudatio gab Auer einen Einblick in die Entwicklung Bergers zum bekannten Moderator, der er jetzt ist. "Humor und Lenz Berger, de ghean zamm und des is weidum bekannt", meinte Auer gleich zu Anfang. 1948 ist Berger geboren und er sei ein Sonntagskind in der 38. Kalenderwoche gewesen. Sonntagskinder strahlten Mut, Kraft, Vitalität und Lebensfreude aus und seien Genussmenschen, betonte Auer. Das gelte auch für den Lenz. Geboren sei er ganz in der Nähe, aber nicht als Angerer, sondern Höglwörther – oder wie die Höglwörther das sagen, als "Heglwiatha". Nach seinen Schuljahren habe er Schmied gelernt. Sein Lehrvertrag sei aber schon nach einem Jahr umgeschrieben worden zum Mechaniker, denn "d’Roß san oiwei weniga worn und d’Auto oiwei mehra". Gearbeitet habe Lenz aber seit seiner Lehre, 50 Jahre bei derselben Firma, beim Bachfrieder in Piding. In jungen Jahren sei Lenz ein begeisterter Fußballer gewesen. Torwart war er und der Legende nach hat er nur Bälle ins Tor gelassen, die unhaltbar waren. Nebenbei habe Lenz auch Theater gespielt. Als die Angerer 1974 einen Ansager für ihren Heimatabend gesucht hätten, seien sie fast zwangsläufig auf den redegewandten und theatererprobten Lenz gekommen. "Du muaßt des iats macha", hätten sie gesagt. "Du konst des, konst Witz vazeihn, host Theata gspuid und mia zeihn auf di." "Des hod guat highaut", meinte Auer. Bald habe es sich herumgesprochen, wie gut der Lenz das könne und er sei über die Gemeindegrenzen hinaus engagiert worden. Das habe sich immer weiter ausgebreitet und der Lenz sei unterwegs gewesen in Bayern, Österreich und sogar in Kanada habe er Leute unterhalten. Da habe er aber Heimweh gekriegt und habe den Flieger zurück in die Heimat kaum erwarten können. 1992 oder 1993 habe Martin Koch gefragt, ob Lenz nicht eine Radiosendung gestalten wolle. Zuerst habe Lenz nicht gewollt. "Vui Iwaredung hots braucht, bis da Lenz obissn hod", habe Martin Koch gesagt. Danach habe sich Lenz auf Mundartsendungen spezialisiert und habe in circa 350 Sendungen über 30 Mundartdichter vorgestellt. Neben den Radiosendungen sei Lenz aber immer ein begeisterter Moderator bei "Hoagartn" und ein gern gesehener Sprecher bei anderen musikalischen und mundartlichen Veranstaltungen. Lenz organisiert auch, zusammen mit Barbara Wagner, in der Kreisklinik Bad Reichenhall einen Benefiz-Volksmusik-Hoagascht, von dem der Reinerlös an die Palliativstation der Klinik und das Netzwerk Hospiz geht.

Selbst singen tut der Lenz auch gern, besonders als Duo mit dem "Nanei" Enzensberger. Neben seinen eigenen nimmt Lenz bei Veranstaltungen Texte von seinem Lieblings-Mundartdichter Karl Robl, aber auch Leuten wie Ludwig Thoma zu Hilfe.

Durch Dialekt tiefer mit Heimat verbunden

Es heiße, mit dem Dialekt werde man tiefer in der Heimat verwurzelt und das Zusammengehörigkeitsgefühl werde gestärkt. Beim Lenz treffe das unweigerlich zu, meinte Auer. Neben seiner Liebe zu seiner Frau, sei das die stärkste Kraft in seinem Leben.

Schon am Anfang der Laudatio hatte Auer den Lenz als "varrecktn Hund" bezeichnet und als solcher gleiche er Beckenbauer, der zu seinen Spielern gesagt habe: "Geht’s ausse und spuits Fuaßboi" und so sage er zum Lenz; "Geh ausse und mach de Leid weida Freid mid deine Gschichtln und Veasaln in unsara Mundart."

Lenz Berger hatte sich schon bei der Verleihung des Preises sehr herzlich für die Ehrung bedankt, die ihm durch den Erhalt des Preises zuteilwerde. Es mache ihm nicht nur Spaß, bei Veranstaltungen die Mundart zum Tragen zu bringen, sondern sei auch eine Ehre und er wolle das auch weiterhin machen, denn es sei der Dialekt, der unseren Ursprung und unsere Heimatverbundenheit zeige. Dazu rezitierte er eines seiner Gedichte. Er gab auch kund, er wolle das mit der Ehrung verbundene Preisgeld zum größten Teil für gemeinnützige und karitative Zwecke verwenden.

So fanden sowohl die Jahreshauptversammlung des Fördervereins für die bairische Sprache als auch die Verleihung des Dialektpreises an Lenz Berger einen gemütlichen und unterhaltsamen Ausklang.

 

(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Alois Albrecht und der PNP)

Weitere Informationen

  • Erscheinungsdatum: Donnerstag, 14 Oktober 2021
  • Quelle: PNP· Reichenhaller Tagblatt · Freilassinger Anzeiger
  • Autor: Alois Albrecht
Gelesen 24 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 24 November 2021 10:44