Samstag, 23 Januar 2016 10:03

Bayer Bradl war zu Besuch beim Bundespräsidenten

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Volksmusikberater zu Gast bei Gaucks Neujahrsempfang. Was er in Berlin erlebt hat und was es in Schluss Bellevue zu essen gab.

Interview von Carmen Jung, Aichach

Es war eine besondere Ehre: Siegfried Bradl aus Altomünster (Kreis Dachau) war am Freitag einer von fünf Bayern, die am Neujahrsempfang von Bundespräsident Joachim Gauck in Berlin teilnehmen durften. Der 57-jährige ist als Volksmusikberater auch für das Wittelsbacher Land zuständig und als Musikant weitum bekannt. Die Einladung nach Schluss Bellevue zusammen mit 70 Bürgern aus allen Bundesländern war eine Anerkennung für Bradls über 40-jähriges Engagement in Sachen Brauchtum, Volksmusik sowie Bairische Sprache und seine ebenso lange soziale Tätigkeit beim Bayerischen Roten Kreuz. Seine Frau begleitete ihn auf der dreitägigen Reise nach Berlin  -  beim Empfang selbst aber war nur Siegfried Bradl.

Jung: Herr Bradl, waren Sie nervös in Schloss Bellevue?

Bradl: (kurze Pause) Nein war ich nicht. Man wird am Vortag eingeladen und mit Schloss sowie Ablauf vertraut gemacht. Als Musikant bin ich es ohnehin gewöhnt, mit vielen Leuten zu tun zu haben und öffentlich aufzutreten. Ich war vielleicht ein bisserl angespannt vor diesem tollen Erlebnis, so wie ich es auch beim Musikspielen bin. Das gehört dazu.

Jung: Die Auswahl ist auf Sie gefallen – wie ging das zu?

Bradl: Kurz vor Weihnachten kam die Einladung vom Bundespräsidialamt und ich habe mir gedacht: ’Wos woin jetzt de von mir?’ Später habe ich erfahren, dass mich die bayerische Staatskanzlei vorgeschlagen hat. Vielleicht hat mein Engagement im Förderverein Bairische Sprache und Dialekte e. V. dazu beigetragen. Über diesen wirke ich an dem Projekt „MundART - WERTvoll“ des von Ministerpräsident Seehofer ins Leben gerufenen Wertebündnisses Bayern mit. Weiterhin blieben scheinbar meine Aktivitäten im Bereich der Volksmusik, des Brauchtums, der Bairischen Sprache und beim Roten Kreuz nicht unbemerkt. In Berlin wurden aus bundesweit 350 Vorschlägen 70 ausgewählt.

Jung: Was haben Sie getragen?

Bradl: Tracht war ausdrücklich erwünscht. Nach längerem Überlegen habe ich mich für die Dachauer Tracht entschieden und zwar für die ausgesprochen festliche Variante mit Faltenstiefeln, langer Lederhose, Laiberl und dem so genannten Gvodersrock, den früher die Großbauern und Großkopferten bei Festtagen getragen haben. In Berlin habe ich festgestellt, dass man sich mit einer solchen Bekleidung zunächst durchaus abgrenzt und die Menschen distanziert reagieren. Später haben dann aber viele Gäste gesagt: ’Schön, dass es so etwas bei Euch noch gibt und dass es gepflegt wird’.

Jung: Hatten Sie Gelegenheit, mit Bundespräsident Gauck ins Gespräch zu kommen?

Bradl: Am Defilee haben fast 300 Menschen teilgenommen, neben den 70 ausgewählten Bürgern auch Repräsentanten des öffentlichen Lebens, darunter zum Beispiel Kanzlerin Merkel und das ganze Kabinett. Da geht es Schlag auf Schlag und man wünscht sich nur ein gutes neues Jahr. Ich habe ihm die CD der Hirangl-Musi „Bloß für Di“ übergeben. Es hat sich gezeigt, dass der Bundespräsident eine Affinität fürs Bayerische hat. Beim Essen saß ich am Tisch seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt. Mit Bundespräsident Gauck habe ich beim anschließenden Kaffee im Salon über meine Tracht gesprochen. Zeit für ein tiefschürfendes Gespräch ist da nicht, da jeder mit ihm reden will. Auch Kanzlerin Merkel war überrascht über meine Tracht. Als ich sie fotografiert habe, sagte sie ganz erstaunt: ’Was ist denn das?’ So kam es auch mit ihr zu einer kurzen Unterhaltung.

Was war das Spannendste?

Bradl: Das Essen war natürlich fantastisch. Mich hat es beeindruckt, dass ein spezieller Koch mit einer Jacke in den deutschen Landesfarben sowie Bundesadler aufgetreten ist und dass nur rein deutsch gekocht wird, das heißt es gibt zum Beispiel keine Nudeln oder Reis. Es gab als Vorspeise ’Aufgeschäumten Schwarzwurzelrahm’, als Hauptspeise ’Klops und Filet vom Kalb mit roten und orangen Beten sowie gebackenem Kartoffelstampf’ und als Nachspeise ’Milchschnitte mit Kakao und Dörrfrüchten’. Außerdem ist es einfach bärig, dass man das überhaupt einmal erleben darf – die Räume des Schlosses und die Menschen, die man nur in der medialen Darstellung kennt. Dabei stellt man fest, dass sie auch ganz normale Menschen sind. Spannend war die Begegnung mit den anderen Bürgern, der Austausch mit ihnen. Ich habe gesehen, in welcher Vielfalt sie zum Wohle der Gesellschaft und von Mensch zu Mensch tätig sind. Es hat sich gezeigt, dass sich positive Erfahrungen aber auch herausfordernde, wie zum Beispiel das Gefühl, auf verlorenem Posten zu stehen, ähneln.

Dieser Text wird mit freundlicher Genehmigung der Aichacher Nachrichten  -  www.augsburger-allgemeine.de/aichach  -  veröffentlicht.

 

Siegfried Bradl (Mitte) war am Freitag einer von etwa 70 Ehrenamtsvertretern beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten Joachim Gauck und dessen Lebensgefährtin Daniela Schadt. Er nahm das CD-Geschenk „Bloß füa Di …. - Musi & Gsang aus’m Altoland“, mit großer Freude an. @Jesco Denzel

Siegfried Bradl (Mitte) war am Freitag einer von etwa 70 Ehrenamtsvertretern beim Neujahrsempfang
des Bundespräsidenten Joachim Gauck und dessen Lebensgefährtin Daniela Schadt.
Bundespräsident Gauck nahm das CD-Geschenk „Bloß füa Di … - Musi & Gsang aus’m Altoland“, mit großer Freude an.
@Jesco Denzel

Bundespräsident Joachim Gauck (li) und Siegfried Bradl bei einem lockeren Gespräch nach dem Mittagessen. @Siegfried Bradl

Bundespräsident Joachim Gauck (li) und Siegfried Bradl bei einem lockeren Gespräch nach dem Mittagessen.
@Siegfried Bradl

Daniela Schadt, die Lebensgefährtin des Bundespräsidenten Gauck, hatte Siegfried Bradl zum Mittagessen an ihren Tisch eingeladen. @Siegfried Bradl

Daniela Schadt, die Lebensgefährtin des Bundespräsidenten Gauck,
hatte Siegfried Bradl zum Mittagessen an ihren Tisch eingeladen.
@Siegfried Bradl

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Gelesen 861 mal Letzte Änderung am Samstag, 23 Januar 2016 10:50