Freitag, 05 Dezember 2014 15:12

Der Münchner Dialekt atmet noch

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Freude beim Förderverein Bairische Sprache und Dialekte e.V. über die Ehrung zum 25-jährigen Bestehen durch die Landeshauptstadt München

Die Landeshauptstadt München hat in einer Feierstunde zur Ehrung Münchner Volkskulturgruppen dem Förderverein Bairische Sprache und Dialekte e.V. (FBSD) zum 25-jährigen Bestehen und für die geleistet Arbeit zur Mundartpflege Dank und Anerkennung ausgesprochen. Die Ehrungsurkunde überreichte Münchens Bürgermeister Josef Schmid im Alten Münchner Rathaussaal an den 1. Vorsitzenden Horst Münzinger aus München-Trudering und an den 2. Vorsitzenden Siegfried Bradl aus Altomünster.

Einheimische entscheiden über Fortbestand des Münchner Dialekts

„Der Münchner Dialekt atmet noch, weil die Älteren ihn noch beherrschen, doch bei den unter 35-jährigen ist die bairische Sprachfärbung, der bairische Wortschatz oder gar die bairische Mundart nur noch selten, bei Kindern fast gar nicht mehr zu hören. Da röchelt's nicht einmal mehr", so Münzinger. Zuwanderung, entregionalisierte Erzieher- und Lehrerausbildung sowie Personal in Kindergärten und Schulen, das der bairischen Sprache nicht mächtig ist, sind nur zum Teil der Grund für den Rückgang des Bairischen in München. Die Vergreisung und letztlich den Verlust der bairischen Sprache in der Landeshauptstadt Bayerns verantworten auch die Einheimischen selbst, wenn sie sich in der Familie, im Beruf und im Alltag ihrer sprachlichen Herkunft entledigen und ihr Wortinventar und ihre Aussprache dem norddeutsch geprägten Einheitsdeutsch anpassen. Dadurch gefährden sie nicht nur eine über 1200 Jahre alte Sprachkultur und ein wesentliches Münchnerisches Identitätsmerkmal, sondern für die Kinder geht auch eine wertvolle Möglichkeit verloren, durch das Nebeneinander von Standardsprache und Mundart die von Experten befürwortete innere Zweisprachigkeit zu erlangen.

Weil dieses Nebeneinander von Sprache und Mundart den Kindern nachweisbare Lernvorteile verschafft fordern deshalb der FBSD, der Bairische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) und namhafte Sprachwissenschaftler Mundart in den Schulen stärker zu fördern,

Münchner Vorbild braucht Nachahmer

Initiativen zur Förderung des Bairischen an Schulen wie die der Lehrerin Julia Reiter an der Münchner Berg am Laim Schule sind überzeugende Vorbilder, die zugleich belegen, dass sich auch Eltern und Kinder fremder Herkunft für das Bairische begeistern lassen. „Beispiele dieser Art brauchen dringend mehr Nachahmer, doch vor dem Können kommt das Wollen", so der 2. Vorsitzende Siegfried Bradl, der auch auf die Mitarbeit des FBSD im Wertebündnis Bayern und im Projekt „MundART - WERTvoll" hinweist, in das der Verein seine Erfahrungen durch die Arbeit an Kindergärten und Schulen und aus dem MundArt-Wettbewerb „higschaugt - zug'horcht - mitgschwätzt" einbringt. Ganz aktuell gibt es eine vom FBSD im Berchtesgadener Land mit Unterstützung des Landratsamts, des Schulamts und des BLLV gestartete Initiative zur Mundartförderung in den Grundschulen, die auch in München und Umgebung „Schule" machen könnte.

1. Bairisches Mundart-Ratespiel für Kinder

Zudem gibt es beim FBSD ganz druckfrisch das 1. Bairische Mundart-Ratespiel, das neben über 100 bairischen Begriffen aus acht Sprachregionen auch „Kennwörter des gesamten bairischen Sprachraumes" und fast 70 „Wörter der deutschen Hochsprache mit bairischer Prägung", wie z.B. blasen anstatt pusten (Blaskapelle anstatt Pustekapelle), Schaufel anstatt Schippe oder Blaukraut anstatt Rotkohl, enthält. Der FBSD bietet damit ein für Kindergärten und alle Schularten bestens geeignetes Arbeitsmittel an, um Kinder an die bairischen Dialekte und Mundarten heranzuführen.

Weitere Informationen

  • Erscheinungsdatum: Freitag, 21 November 2014
  • Quelle: FBSD
  • Autor: Horst Münzinger
Gelesen 1962 mal Letzte Änderung am Freitag, 05 Dezember 2014 15:16