Dienstag, 04 November 2014 09:31

25 Jahre FBSD I - Bilanz

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„Nur wer bairisch redt, hoid Bairisch am Lebm"

Einheimische brauchen mehr Selbstbewusstsein, Medien mehr Regionalität, Schulen einen klaren Auftrag und die Politik Mut zum Handeln

Im November 1989 wurde der Förderverein Bairische Sprache und Dialekte e.V. (FBSD) ins Vereinsregister eingetragen und damit die Idee der Traunsteiner Ärztin Dr. Viktoria Wittmann in die Tat umgesetzt, mit einer „Volksbewegung bairisch spre-chender Menschen" dem Niedergang der bairischen Sprache entgegenzutreten. Aus den 29 Gründungsmitgliedern ist in 25 Vereinsjahren der größte Sprachverein Bayerns mit über 3.200 Mitgliedern aus allen Berufs- und Gesellschaftsschichten entstanden. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. ist sicher das bekannteste Ehrenmitglied des FBSD.

Der Verein ist schwerpunktmäßig in Altbayern tätig und unterhält derzeit sechs akti-ve Landschaftsverbände. Hauptzielgruppe des Vereins sind die künftigen Überliefe-rer der Bairischen Sprache, also Kinder und Jugendliche in Kindergärten und in allen Schulen, weshalb mit Erzieherinnen und Lehrkräften Singstunden und Re-ferate für den Unterricht durchgeführt werden. Besondere Unterstützung erhält der FBSD vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), der sich klar für mehr Mundartförderung in Schulen ausspricht.

„Die 25-Jahre-Bilanz des FBSD kann sich sehen lassen.", meint Horst Münzinger aus München, der gemeinsam mit Siegfried Bradl aus Altomünster dem Verein seit 2010 vorsteht. Die Liste der Aktivitäten führt unzählige Vorträge über den Wert und die Merkmale der bairischen Sprache in Schulen, bei Verbänden und in Vereinen auf. Ebenso wie Beteiligungen an Podiumsdiskussionen, viele Gespräche mit Politkern im Landtag und in den Ministerien sowie mit Sprachwissenschaftlern, mit Künstlern und mit Verantwortlichen aus den Redaktionen der Druckmedien und den Funk- und Fernsehanstalten.

Der 2011 mit dem Kultusministerium in allen Grundschulen Bayerns durchgeführte, Mundart-Wettbewerb „higschaugt – zug'horcht – mitgschwätzt" ist im FBSD-Archiv ebenso zu finden, wie die Pressekooperation mit dem BLLV oder die regelmäßige Teilnahme auf der „Oidn Wiesn" mit einem Informationsstand, bei der zuletzt über 15.000 Besucher den FBSD-Sprachtest „Woaßt as?" mitgemacht haben. Hinzu kommen jährlich rund 50 weitere, regionale und öffentlichkeitswirksame Informati-onsveranstaltungen, Ehrungen und Preisverleihungen in Stadt und Land.

„Sehr viele dieser Aktivitäten sind in dem regelmäßig erscheinenden Mitgliedermagazin „FBSD-Rundbrief" dokumentiert, das seit Vereinsgründung hergestellt wird und durch dessen Bereitstellung auf der Internetseite des FBSD gerade der jüngeren Generation wertvolle Einblicke in Themen und Aktivitäten rund um die bairische Sprache ermöglicht", erklärt Bradl.

Bäriger Erfolg: Dialekthandreichung für Lehrer

„Besonders nachhaltig war", so Münzinger, „eine jahrelang andauernde Initiative des FBSD, die 2006 das Bayerische Kultusministerium zur Herstellung und Vertei-lung der ersten über 200 Seiten starken Lehrer-Handreichung „Dialekte in Bayern" veranlasst hat." Erfreut verweist Münzinger auch auf die Aufnahme des FBSD in das vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer initiierte Wertebündnis Bayern. „Hier kann unser Verein seine vielseitigen Erfahrungen in das brandaktuelle Projekt „MundART - WERTvoll" einbringen, dessen Projekträgerschafft in den Händen des Bayernbundes und des Bayerischen Trachtenverbandes liegt", freut sich Bradl, der die FBSD-Mitgliedschaft initiiert hat und aktiv in dem Projekt mitarbeitet.

In Gemeinschaft ist Bairisch überlebensfähig

Trotz der vielseitigen Vereinsaktivitäten ist Münzinger bei der Frage ob das Bairische noch zu retten ist Realist. „Kein Gesetz und keine Institution können das Überleben der bairischen Sprache sicherstellen." Münzinger ist überzeugt, dass die Rettung der bairischen Sprache vor allem durch die Einheimischen selbst erfolgen muß, indem sie, beginnend in der Familie, selbstbewusst und stolz bairisch oder Mundart sprechen und dadurch ihren Kindern und Enkeln ihren Wortschatz, Redewendungen und dessen Ausspracheformen vermitteln.

Wenn Einheimische ihre Heimatsprache vernachlässigen und fremde, vor allem im norddeutschen Sprachraum übliche Lautformen und Ausdrücke benutzen und ge-dankenlos „nachäffen", was die Medien als vermeintlich richtiges Deutsch tagtäg-lich vorgeben, dann, so befürchtet Münzinger, sind für die bairische Sprache Hopfen und Malz verloren.

Der FBSD-Vorsitzende hält es deshalb für notwendig, dass die Tageszeitungen, insbesondere die Heimatausgaben, und die öffentlich-rechtlichen sowie die privaten Rundfunk- und Fernsehanstalten in Bayern sich nicht mit norddeutschen Sprachvariationen anbiedern, sondern ihrer Rolle als Medien in Bayern gerecht werden und mit Klängen und Begriffen der in Bayern gesprochenen Sprachen Bairisch, Fränkisch und Schwäbisch Leser, Hörer und Zuschauer erfreuen. „Nicht nur kritisieren sondern Hilfe anbieten", möchte der FBSD mit dem demnächst an die Öffentlichkeit gehenden 1. Bairischen Mundart-Ratespiel „Woaßt as?", das Bradl mit Unterstützung des Vereins „mundArt Allgäu" in die Tat umsetzen konnte.

„Neben den Einheimischen sowie den Medien gelten Kindergärten und Schulen als weitere, entscheidende Mitgestalter der Sprachumwelt der jüngeren Generation. Die von Wissenschaftlern sowie dem Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) befürwortete innere Mehrsprachigkeit durch Erlernen der regionalen Mund-art, neben der deutschen Schriftsprache, darf den Kindern in Kindergärten und in Schulen nicht durch ungeschultes und uneinsichtiges Personal vorenthalten werden", mahnt Münzinger. „Die inneren Mehrsprachigkeit unterstützt die Entwicklung des Sprachbewusstseins, bereichert das sprachliche Ausdrucksvermögen und legt die Grundlage für ein erfolgreiches Sprachenlernen."

Volksbegehren als letzte Rettung?

Gefordert ist deshalb auch die Bayerische Staatsregierung, die konsequent die Ein-haltung der Aufträge zur Förderung der Mundarten in Kindergärten und Schulen prüfen, regelmäßige Bestandsaufnahmen der Mundartkompetenz bei Kindern und Jugendlichen durchführen sowie die Ausbildung und Abschlussprüfung der Lehrkräfte um den Teil „Mundartförderung" erweitern müsse. Münzinger bemängelt die Verharmlosungs- und Ablehnungspolitik, mit der Ministerien den Warnungen und Empfehlungen des FBSD begegnen, obgleich 2009 die UNESCO die bairische Sprache als gefährdet eingestuft hat. „Schade wär´s schon, wenn etwa erst durch ein Volksbegehren die Bayerische Staatsregierung zu mutigem Handeln zu bewegen wäre", meinen Münzinger und Bradl, deren Forderungen zur Sprach- und Mundartförderung erst kürzlich wieder mit einem ministeriellem Schreiben freundlich abgewiesen wurden.

Weitere Informationen

  • Erscheinungsdatum: Dienstag, 04 November 2014
  • Quelle: FBSD
  • Autor: Horst Münzinger
Gelesen 1332 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 06 November 2014 11:51