Mittwoch, 02 Januar 2013 07:54

Bairische Sprache und bairischer Humor bei der Jahreshauptversammlung

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Den diesjährigen „Dialektpreis“ erhielt der Betreiber des Bauernhof-Museums Hof bei Kirchanschöring und Vorstand des dortigen Heimatvereins, Franz Huber (mitte), der sich sehr um die Erhaltung und Pflege, nicht nur der bayerischen Sprache, sondern auch der alten Handwerkskunst verdient gemacht hat. Mit im Bild: links unser Vorstand Heinz Schober, rechts unser extrem verdientes Mitglied Maria Hafner. Den diesjährigen „Dialektpreis“ erhielt der Betreiber des Bauernhof-Museums Hof bei Kirchanschöring und Vorstand des dortigen Heimatvereins, Franz Huber (mitte), der sich sehr um die Erhaltung und Pflege, nicht nur der bayerischen Sprache, sondern auch der alten Handwerkskunst verdient gemacht hat. Mit im Bild: links unser Vorstand Heinz Schober, rechts unser extrem verdientes Mitglied Maria Hafner. Alois Albrecht

Surheim. (al) Zuerst kommt natürlich die Sprache, in diesem Fall die „bairische", auf die der Verein großen Wert legt. Gleich dahinter kommt aber offensichtlich der Humor, ebenfalls der „bairische", wie die Beiträge mehrerer MundartdichterInnen bei der Jahreshauptversammlung des „Förderverein Bairische Sprache und Dialekte e.V." im Gasthaus Lederer in Surheim kürzlich zeigten. Dort hatten sich etwa 50 der Mitglieder eingefunden um die Berichte der Vorstandschaft über das abgelaufene Jahr zu hören und einen gemütlichen Nachmittag, gewürzt mit Ziach- und Gitarrenmusik und den Anekdoten der MundartdichterInnen zu verbringen.
Nach der Begrüßung durch Vorstand Heinz Schober wurde in einer Gedenkminute der im vergangenen Jahr verstorbenen Mitglieder des Vereins gedacht. Vorstand Schober sagte dann, die Vorstandschaft des Vereins habe sich viermal zu Sitzungen getroffen im abgelaufenen Vereinsjahr. Dabei seien die Aktivitäten des Vereins für die Verbreitung und Erhaltung des Dialekts beraten worden. Schriftführerin Marianne Hauser erläuterte diese dann näher. Als einen Höhepunkt der Aktivitäten bezeichnete Hauser den Stand des Vereins auf dem Münchener Oktoberfest. Daneben sei der Verein aber auch bei mehreren lokalen Veranstaltungen, wie Dorffesten und Markttagen mit einem Stand präsent gewesen. Hauser freute sich besonders über die rege Teilnahme von jungen Leuten an den Fragespielen über den bayerischen Dialekt. Bei jeder der Veranstaltungen hätten Besucher bis zu 700 der Fragebögen beantwortet. Marianne Hauser bedankte sich bei mehreren der Mitglieder für deren Mithilfe an den Ständen.
Michael Ofensberger erwähnte dann, dass er seit vielen Jahren Briefe an Firmen, Behörden, Verbände und die Medien schicke, wenn diese es gar zu arg trieben mit der Verschandelung der deutschen und bayerischen Sprache, durch die übermäßige Verwendung unnötiger Anglizismen und dergleichen. Marianne Hauser bedankte sich in diesem Zusammenhang bei den Lokalzeitungen, die sich immer als offen und hilfsbereit zu den Anliegen des Vereins und der Erhaltung der bayerischen Sprache erwiesen hätten. Ofensberger und Hauser machten deutlich, dass sie keineswegs Englisch, oder irgend eine andere Sprache angreifen, sondern lediglich darauf hinweisen wollten, es sei nur sinnvoll, die eigene Sprache zu gebrauchen und zu pflegen. Vorstand Schober rief in seinem Vorstandsbericht dazu auf, mit anderen Kultur- und Brauchtumsvereinen zusammenzuarbeiten bei der Pflege der Sprache, unter dem Motto: „Es gibt vui zum doa, lossts uns net aloa".
Vorstand Schober und Maria Hafner überreichten danach den „Dialektpreis 2012" an Franz Huber, Eigentümer und Betreiber des Bauernhofmuseums in Hof bei Kirchanschöring und Vorstand des Heimatvereins Kirchanschöring. Maria Hafner sagte in ihrer Laudatio Huber sei ein Vorbild für alle im Gebrauch der bayerischen Sprache und pflege sie in höchst unverfälschter und natürlicher Weise. Huber bedankte sich und sagte es sei ihm ein Anliegen bayerisch zu sprechen und dabei auch Ausdrücke zu verwenden, die im heutigen umgangssprachlichen Gebrauch des Bayerischen nicht mehr alltäglich sind. Genauso wichtig sei es seiner Meinung nach, altes Handwerk zu pflegen und das Wissen und Können dazu an die jungen Generationen weiter zu geben.
Der stellvertretende Landrat, Lutz Feiler, überbrachte Grüße von Landrat Georg Grabner und sagte, die Sprache gehöre zum höchsten Kulturgut des Menschen und er bedankte sich bei der Vorstandschaft und den Mitgliedern für deren Sorge darum. Natürlich würden alle Sprachen, auch die bayerische, einem fortwährenden Wandel unterzogen. Das sei ersichtlich aus den vielen Ausdrücken im Bayerisch, die eigentlich aus den Verbindungen der Bayern mit den Franzosen zu Napoleons Zeiten kommen. Neuerdings würden durch die Übermacht des Englischen neue Begriffe und Wörter aus dieser Sprache übernommen. Trotzdem sei es wichtig, die Sprache so gut es geht in ihrer Eigenständigkeit und Unverfälschtheit zu erhalten und zu pflegen. Schon allein um zu zeigen welche Schönheiten in der bayerischen Sprache enthalten sind und um diese auch nach außen zu tragen.
Beim Tagesordnungspunkt „Wünsche und Anträge", meinte Markus Putzhammer verschmitzt, den Anwärtern für den nächstjährigen Preisträger des Dialektpreises sollte bald genug ans Herz gelegt werden sich einen Bart wachsen zu lassen, nachdem alle bisherigen auch einen gehabt hätten.
Im abschließenden, gemütlichen Teil der Versammlung wechselten sich Musik und nette Anekdoten der MundartdichterInnen, Maria Gundl, Anneliese Dietl, Karl Robel, Nick Mayr und Schorsch Köbrich, sowie eine Lesung durch Maria Hafner aus dem Heimatbuch der Gemeinde Saaldorf-Surheim in bunter Reihe ab und beschlossen so eine besonders originelle, gemütliche und humorvolle Jahreshauptversammlung.

Weitere Informationen

  • Erscheinungsdatum: Freitag, 28 April 2017
  • Quelle: LV Rupertiwinkel
  • Autor: Alois Albrecht
Gelesen 3195 mal Letzte Änderung am Montag, 07 Januar 2013 07:52